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02.12.2016

„Europa tut uns gut“ - Friedrich Bohl über Herausforderungen und Chancen der EU

 


​Das Thema des früheren Ministers lockte viele Zuhörer in die Hochschule
 

Friedrich Bohl mit Prof. Dr. Jonas Rossmanith

Albstadt/Sigmaringen. Anfang der Woche ist Friedrich Bohl, Bundesminister a. D., zu Gast an der Hochschule Albstadt-Sigmaringen gewesen. Im Rahmen der Vortragsreihe „Wirtschaftsprüfung - Steuerberatung Aktuell“ referierte er zum Thema Niedrigzins, EZB, Euro, Brexit - Viele Baustellen in Europa - Wie geht es mit Europa weiter?“. Eingeladen hatte Prof. Dr. Jonas Rossmanith aus der Fakultät Business Science and Management.

Mit einem historischen Rückblick auf die Entstehung der Europäischen Union führte Bohl die Zuhörer im vollbesetzten Hörsaal an das Thema heran. Der Prozess von den Anfängen, über die Unterzeichnung der römischen Verträge, hin zur Währungsunion und den Lissaboner Verträgen sei kein einfacher gewesen, so Bohl. An Beispielen, wie der Politik des leeren Stuhls von Charles de Gaulle in den 60er Jahren oder der Forderung der britischen Premierministerin Margareth Thatcher nach einer Absenkung der britischen Beitragszahlungen, dokumentierte Bohl vergangene Rückschläge und Herausforderungen.

 „In der Politik ist nie etwas hundertprozentig“, erklärte der einstige Minister. Man müsse in Europa immer wieder nach neuen und alternativen Lösungen suchen. Für die Entscheidung der Briten zeigte der ehemalige Politiker dabei wenig Verständnis. Der Brexit stelle einen entscheidenden Schnitt für die EU dar, allein Deutschland exportiere jährlich Waren im Wert von 90 Milliarden Euro nach Großbritannien. Mit dem tatsächlichen Ausscheiden der Briten habe niemand gerechnet und die wirtschaftlichen Folgen seien noch nicht absehbar. Aber Europa werde auch das schaffen, meint Bohl zuversichtlich. Der ehemalige Kanzleramtsminister ist von Europa überzeugt – auch weil „eine Alternative zur EU brutal aussieht“. Der Wohlstand unseres Landes beruhe zum Großteil auf Europa, stellt Bohl klar, „Europa tut uns gut“.
Den wachsenden Populismus in Europa und den USA beobachtet er mit großer Sorge und hinterfragt vermeintlich einfache Lösungen. So sei ein gigantisches Investitionsprogramm in den USA ohne mexikanische Bauarbeiter beispielsweise kaum zu bewältigen, ist Bohl überzeugt.
 
Gleichzeitig plädierte er für einen gesunden Realismus. „Wir müssen uns die Dimensionen und Relationen unserer Probleme klarmachen“, meint Bohl. Während seiner Zeit im Bundeskanzleramt hätten zahlreiche Delegationen aus Entwicklungsländern von Problemen wie AIDS, Hunger und hoher Kindersterblichkeit berichtet während man in Deutschland Ladenöffnungszeiten und Lohnfortzahlungen diskutiere. Wenn man bei der Lösung der Probleme anderer Nationen nicht helfe, ist Bohl überzeugt, werden viele der Probleme auch uns erreichen. 70 Jahre Frieden in Europa seien keine Selbstverständlichkeit. „Wir können dankbar sein für das was wir erreicht haben und hoffen, dass es noch eine Weile so bleibt“.
 
 
 
 
 
 
 
„Europa tut uns gut“ - Friedrich Bohl über Herausforderungen und Chancen der EU