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29.03.2017

Sicherheit trifft Spurensuche - Hochschule richtet mit FAU Erlangen-Nürnberg internationalen Kongress für IT Sicherheit und Digitale Forensik aus

 


Den Kongress-Vorsitz hatten Felix Freiling (links) und Holger Morgenstern
 

Sektempfang in historischer Kulisse im Sigmaringer Schloss
 

Gewinner Forensik-Rodeo

Albstadt/Sigmaringen. Am Mittwoch haben 165 Experten aus den Bereichen IT-Sicherheit und Digitale Forensik das Sigmaringer Schloss besucht und im Anschluss in der Sigmaringer Stadthalle getagt. Die Abendveranstaltung fand im Rahmen von zwei der wichtigsten Konferenzen im Bereich Digitale Forensik und IT-Sicherheit in Europa statt: der DFRWS-EU und der IMF. Experten aus 22 Ländern waren bereits am Dienstag nach Überlingen gereist. Ausgerichtet wurde die Konferenz von der Hochschule Albstadt-Sigmaringen gemeinsam mit der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU). Den Vorsitz hatten Prof. Felix Freiling (FAU) und Prof. Holger Morgenstern (Dekan Fakultät Informatik an der Hochschule Albstadt-Sigmaringen).

Ob Finanztransaktionen, An- und Verkauf oder berufliche Kommunikation – unsere Welt wird zunehmend digital. Ein Leben ohne das World Wide Web und die Vorteile der digitalen Kommunikation und Datenspeicherung scheint heute nicht mehr möglich. Doch die zunehmende Digitalisierung hat auch Schattenseiten. Das organisierte Verbrechen hat sich längst in der digitalen Welt etabliert. Doch wie kann man digitale Speicher und Kommunikationswege sicherer machen? Oder wie digitale Straftaten aufklären? Damit haben sich zwischen dem 21. und dem 23. März 165 Experten aus 22 Ländern beschäftigt. Von Dienstag bis Donnerstag dauerte der internationale Kongress. Einen der Höhepunkte bildete am Mittwochabend das Programm in Sigmaringen. Um 17 Uhr wurden die Kongressteilnehmer von Thomas Kanjar in Vertretung von Fürst Karl Friedrich von Hohenzollern, dem Bürgermeister der Stadt Sigmaringen, Thomas Schärer sowie der Rektorin der Hochschule, Dr. Ingeborg Mühldorfer im Sigmaringer Schloss begrüßt. Bei einer Schlossführung auf Deutsch und Englisch gewannen die Teilnehmer einen Einblick in die Historie Sigmaringens.

 Der Keynotvortrag von Peter van Koppen, Professor für Rechtspsychologie an der juristischen Fakultät der VU Uni Amsterdam beleuchtete während der anschließenden Abendveranstaltung in der Sigmaringer Stadthalle Fehlerquellen bei der Spurensuche. Ihre Kräfte messen konnte die Sicherheits- und Strafverfolgungsexperten nach dem Essen bei einem Forensik-Rodeo. Hier wurde eine Aufgabe gestellt, die es mit digitaler Spurensuche zu lösen galt. Am Abbild einer Festplatte sollte untersucht werden, wofür diese verwendet wurde und mit welchen „Komplizen“ der Verantwortliche in Kontakt stand. Wichtig seien hier vor allem das Verständnis der Zusammenhänge, um die Spuren richtig kombinieren und auslesen zu können, sagt Tobias Scheible, Akademischer Mitarbeiter an der Hochschule Albstadt-Sigmaringen.

Mit 165 Teilnehmer sei das die bislang größte Konferenz, sind sich die Experten einig. Dies sei ein gutes Zeichen, dass man sich dieser digitalen Gefahren bewusst sei. Ursachen für die hohe Teilnehmerzahl sahen die Experten neben einem wachsenden Bewusstsein von digitalen Gefahren, beispielsweise im Rahmen von Finanztransaktionen und Terrorismus aber auch in der Zusammenlegung der beiden Konferenzen. Während sich die IMF bislang mit den Themen IT-Sicherheit und Incident Management – also dem Schutz bevor etwas passiert und dem Beheben des Problems im Falle eines Ereignisses – beschäftigt, thematisiert die Digitale Forensik die Spurensuche nachdem etwas passiert ist. Durch die Zusammenlegung der beiden Konferenzen sei ein interessanter Mix aus Personen verschiedenster Bereiche aus der Strafverfolgung und der Industrie zusammengekommen, sagt Felix Freiling, Professor an der FAU Erlangen-Nürnberg. Jeder profitiere hier von der Erfahrung des anderen und öffne seinen eigenen Horizont, so Freiling. Das harmoniere sehr gut. Der Dekan der Fakultät Informatik, Holger Morgenstern, sieht darin auch eine Auszeichnung für die Arbeit der Hochschule in den Bereichen Digitale Forensik und IT-Sicherheit. Insbesondere im Bereich der digitalen Forensik sei eine gute Ausbildung wichtig, sagt Morgenstern, „damit man Dinge kritisch hinterfragt und nicht zu schnell etwas einfach interpretiert wird.“
 
Eoghan Casey, Professor an der Universität Lausanne, meint das organisierte Verbrechen habe sich in den letzten Jahren zunehmend in die Cyber-Welt bewegt. Hier müsse man aufholen, um nicht abgehängt zu werden. Es gäbe aktuell noch sehr große Unterschiede und Schwierigkeiten bei der Abstimmung zwischen den verschiedenen Ländern. Konferenzen wie diese böten eine Gelegenheit sich auszutauschen und zu vernetzen, sozusagen eine „Grenzüberschreitung auf persönlicher Ebene“, so Casey.
 
Topthemen der Konferenz waren neuste Entwicklungen am Markt und aktuelle Problemstellungen, beispielsweise welche neuen Betriebssysteme welche Datenspuren mit sich bringen, wie mit Daten recycelter Speicherchips umgegangen werden muss, wie sicher das neu eingeführte SWIFT Finanztransaktionen macht oder wie sogenannten Cert-Stellen Informationen sicher steuern können. Martin Lühning gab außerdem Einblicke in die Arbeitsweise des Landeskriminalamts (LKA) und die Herausforderungen der Arbeit insbesondere auf internationaler Ebene durch verschiedene Standards und Normen.
 
Zu den Konferenzen:
DFRWS (digital forensic research workshop) gibt es seit 2001. Sie war die erste Konferenz im Bereich Digitale Forensik weltweit und gilt als eine der wichtigsten Konferenz in diesem Bereich. Sie findet fast immer im Sommer in den USA statt. Seit 2014 gibt es einen europäischen Ableger, der ebenfalls jährlich stattfindet, bisher in Amsterdam, Dublin und Lausanne. In diesem Jahr findet die Konferenz in Überlingen und Sigmaringen statt. Bei der DFRWS sind zahlreiche europäische und amerikanische Wissenschaftler aus dem Bereich der digitalen Forensik vertreten.
 
Die IMF ist ebenfalls eine internationale, aber von Deutschland aus organisierte Konferenz im Bereich Digitale Forensik und IT-Sicherheit, IMF steht für "IT security incident response and management and IT forensics". Die Konferenz gibt es seit 2003 und findet dieses Jahr zum zehnten Mal statt. Die IMF verbindet die Bereiche Digitale Forensik und IT-Sicherheit bzw. IT-Sicherheitsvorfalls Management und gilt hier ebenfalls als eine der bedeutendsten Konferenzen in Europa.  Die IMF versuchte dabei insbesondere Wissenschaft und Praxis zu verbinden. Das spiegelt sich auch bei den Teilnehmern wieder, die sowohl aus dem Hochschul-Umfeld als auch von Firmen und Behörden kommen.