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29.11.2016

Meteorologe Sven Plöger informiert unterhaltsam über das Wetter, seine Phänomene und den Klimawandel

 


Sven Plöger begeisterte mit unterhaltsamen Erzählungen und Wissenswertem zum Wetter
 

Die anschließende Signierstunde war gut besucht

Albstadt/Sigmaringen. Auch ernste Themen kann man unterhaltsam präsentieren – das bewies vergangenen Donnerstag der bekannte ARD-Meteorologe und Buchautor Sven Plöger. Im vollbesetzten Vorlesungssaal der Hochschule am Standort Sigmaringen stellte er anschaulich, sein neustes Buch „Wo unser Wetter entsteht“ vor. Gemeinsam mit dem SWR-Wissenschaftsjournalist Rolf Schlenker macht er sich darin auf eine faszinierende Reise zu den Schauplätzen, die unser mitteleuropäisches Klima prägen. Humorvoll, eindringlich und ohne erhobenen Zeigefinger sprach sich Plöger dabei auch für eine Energiewende aus. Eingeladen hatte im Rahmen der Kulturreihe „Sigmaringen liest“ die Bibliothek der Hochschule Albstadt-Sigmaringen in Kooperation mit der Stadt.

Als sich damals der SWR bei ihm bezüglich des Films „Wo das Wetter entsteht“ gemeldet habe, habe er „eine knappe zehntel Sekunde überlegt und dann gesagt, ja das möchte ich machen“, sagte Plöger. Mit entsprechend sichtbarer Begeisterung schilderte der Wetterexperte im Anschluss die Entstehung von Filmsequenzen und blieb dabei stets unterhaltsam und kurzweilig - ob beim Abenteuerflug mit Omar Ragnarsson in dessen Jodel oder bei seiner Reise an die Grenze des  Grönländischen Eisschilds. Was so einfach aussehe, sei aber oft harte Arbeit gewesen, so der Wetterexperte. Beispielsweise eine Abschlusssequenz auf einer Eisscholle: „Das was Sie dann als Szene gesehen haben, war Version 28“, erzählte Plöger schmunzelnd. Gleichzeitig legte er fast schon beiläufig ernste Fakten offen, beispielsweise dass das Wegschmelzen des Grönländischen Eises den Meeresspiegel um sieben Meter erhöhen würde. Mit Äußerungen wie „nun gut, für Sigmaringen würde das keine große Rolle spielen – für den Holländer an sich dagegen schon“, sorgte er aber selbst hier für ein Schmunzeln.

Ziel des Films sei es gewesen, die Grundlagen des Wetters so darzulegen, dass es zwar wissenschaftlich richtig aber ganz einfach verständlich sei. Anschaulich erklärte er im Anschluss dann auch wie das Wetter entsteht und was für Ursachen für bestimmte Wetterphänomene verantwortlich sind. Dabei ging er Fragen nach wie „gab es früher mehr Schnee als heute“ und stellt klar, dass auch wenn die Antwort ja laute, man immer die Relation sehen müsse. „Wahrnehmung ist hier sehr selektiv“, machte Plöger deutlich. Wetter werde oft sehr emotional und subjektiv wahrgenommen, beispielsweise wenn Oma als Kind knietief im Neuschnee steckte, werde sie das nie vergessen – ohne zu beachten dass sie zu diesem Zeitpunkt lediglich einen Meter groß war. Neutral betrachtet sei Klima die „Gesamtheit der Wettererscheinungen an irgendeinem Ort oder in irgendeiner Region während einer festgelegten Zeitspanne“. 
 
Trotz allem Wortwitz sprach sich Plöger eindringlich dafür aus, die Folgen des Klimawandels nicht zu unterschätzen und – auch wenn es wehtut – bereits im Kleinen zu einer Energiewende beizutragen. Seine Botschaft: Ja es wird wärmer und ja es braucht einen Wandel. Denn wenn die Menschen weiter so viel Energie verbrauchten und die Ressourcen wie gehabt ausbeuteten, dann benötige man 2050 bereits zweieinhalb Erden. Allein zwischen September 1979 und September 2012 seien 3.3 Millionen Quadratkilometer Eis – also 10 Mal Deutschland – verschwunden. Dadurch würde weniger Sonne reflektiert und mehr Sonnenenergie die Erde erwärmen. Die Folge sei, ein Erstarken der Gegensätze. Dann gäbe es in Sigmaringen zunehmend 27 Grad Celsius im März und Schnee im Mai, so der Wetterexperte. Außerdem würden die Hochs und Tiefs länger an einem Ort bleiben und das sei letztlich auch das Klimaproblem: „Hochwasser auf der einen und Dürre auf der anderen Seite“. Beispielhaft nannte er hier die Elbeflut 2002 und die Dürre 2003.
 
Obwohl regenerative Energien bereits heute in der Lage seien eine Grundlast zu liefern – die Sonne allein liefere 6000 Mal mehr Energie als weltweit benötigt würde – würden 80 Prozent der Energie immer noch fossil erzeugt. Das Problem sei: Man wolle Energie aber nichts was sie herstellt – zumindest nicht vor der eigenen Haustür. Ein Umstand der, wie Plöger es augenzwinkernd formulierte, „physikalisch sehr anspruchsvoll“ sei. Dabei sei ein Strommast auch nicht wirklich schön – nur im Gegensatz zum Windrad schon immer da gewesen. „Nun gut, das Windrad dreht sich“, räumte er schmunzelnd ein.
 
Wer das Klimathema behandeln wolle, müsse aber etwas verändern und zwar auf allen Ebenen. China beobachte Deutschland derzeit mit Argusaugen und wenn Deutschland eine gute Energiewende vorlege und China mache sie nach, dann hätten wir alle ein Stück die Welt gerettet, so sein Resümee.
 
Im Anschluss stand Plöger in der Bibliothek der Hochschule für eine Signierstunde und zum Gespräch zur Verfügung.
 
 
 
 
 
 
Meteorologe Sven Plöger informiert unterhaltsam über das Wetter, seine Phänomene und den Klimawandel