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27.04.2017

Interreligiöser Dialog im Reformationsjahr – „Wirtschaftsethik, Bildung und Religion aus Sicht des Judentums, Christentums und Islams“

 


Albstadt/Sigmaringen. Anlässlich des Reformationsjubiläums geht die Hochschule Albstadt-Sigmaringen gemeinsam mit der Stiftung Stuttgarter Lehrhaus und den evangelischen Kirchengemeinden in Albstadt im Rahmen der Reihe Interreligiöser Dialog im Reformationsjahr – „Wirtschaftsethik, Bildung und Religion aus Sicht des Judentums, Christentums und Islams“ an drei Abenden der Frage nach, welche ideellen und kulturellen Beiträge Menschen aller Religionen in der Region Württemberg geleistet haben. Die Veranstaltungen finden jeweils donnerstags um 19.00 Uhr in der Technologiewerkstatt Albstadt in Albstadt-Tailfingen statt.

Die Reformation prägte Deutschland nicht nur religiös, sie hatte auch einen starken kulturellen und wirtschaftlichen Effekt. Aus lokalhistorischer Perspektive prägten im 18. Jahrhundert vor allem schwäbische Pietisten sowie jüdische Industriepioniere Südwestdeutschland und bewirkten einen wirtschaftlichen und kulturellen Aufschwung, der mit einem hohen Arbeits- und Wirtschaftsethos verbunden war. Aber auch Angehörige andere Religionen haben ihre gesellschaftliche Verantwortung wahrgenommen und sich bemüht, ihr Potenzial zur Verbesserung des Gemeinwohls einzusetzen. Sie alle betrachteten den Glauben nicht nur als private Angelegenheit, sondern sahen seine öffentliche Dimension. Dabei setzten sie sich durch Bildung breiter Bevölkerungsschichten und wirtschaftliches Engagement für ihre Mitmenschen ein.
 
Der interreligiöse Ansatz der Reihe betrachtet die Themen Wirtschaftsethik, Bildung und Religion aus der heutigen Perspektive und bezieht den Islam mit ein. Denn für gegenwärtige gesellschaftliche Herausforderungen bieten die drei Religionen eine vielfältige Bildungs-, Wirtschafts- und Sozialethik, die helfen kann, neue Perspektiven zu entwickeln und neue Handlungsmöglichkeiten im Sinne eines friedlichen Miteinanders zu entdecken. Die Referenten dieser interreligiösen Gesprächsreihe sind Experten, die wirtschafts- und bildungspolitisches Engagement verbinden und jeweils ihre persönliche Glaubenswelt vertreten.
 
Bereits im letzten Jahr hatte die Hochschule zusammen mit dem Stuttgarter Lehrhaus eine Veranstaltungsreihe zum Thema interreligiöser Dialog durchgeführt. Anlass war damals die aktuelle Flüchtlingssituation. Mit der Fortsetzung der Reihe in diesem Jahr will die Hochschule als Bildungsinstitution nun ihren Beitrag zum Reformationsjubiläum leisten. Für Hochschulrektorin Ingeborg Mühldorfer ist die Motivation hierzu, dass Luther mit der Übersetzung der Bibel in die deutsche Sprache als Urheber für die Bildung der breiten Bevölkerungsschicht galt und damit auch die Voraussetzung für die Entwicklung der Gesellschaft in wirtschaftlicher und politischer Hinsicht geschaffen hat. Von der Reformation, die vor 500 Jahren das Christentum gegenüber einer anderen Konfession geöffnet hat, könne man auch heute lernen, indem man sich für den Dialog mit anderen Religionen und Kulturen öffne, so Mühldorfer. Für die Angehörigen einer Hochschule, an der Menschen aus vielen Teilen der Welt studieren und die ihren Studierenden Studienaufenthalte an internationalen Partnerhochschulen anbietet und damit auf eine globalisierte Arbeitswelt vorbereitet, sei ein solcher Dialog und Toleranz gegenüber verschiedenen Kulturen selbstverständlich. „Die Reformation hat nachhaltig die Entwicklung und den Fortschritt der Wissenschaften geprägt“, erklärt auch Pfarrer Bernd Mayer aus Tailfingen. Deshalb freue es ihn, dass die evangelischen Kirchengemeinden in Albstadt gemeinsam mit der Stiftung Stuttgarter Lehrhaus und der Hochschule Albstadt-Sigmaringen eine Vortragsreihe zum Reformationsjahr 2017 veranstalten.
"Die Religionen und deren Ethik sind weltweit wichtige Impulsgeber für die wirtschaftliche Entwicklung eines Landes insgesamt und waren dies auch in der Vergangenheit in unserer Region, also im protestantisch-pietistisch geprägten Württemberg", bekräftigt Karl-Hermann Blickle, Vorsitzender und Mitbegründer der interreligiösen Stiftung "Stuttgarter Lehrhaus". Der 66-jährige Diplom-Volkswirt und Unternehmer engagiert sich seit vielen Jahren ehrenamtlich im kirchlich-religiösen und sozialen Bereich, u.a. mit der Stiftung "Stuttgarter Lehrhaus für interreligiösen Dialog" und der wirtschaftsethisch und entwicklungspolitisch ausgerichteten Stiftung "S.H.A.R.E. für Mikrofinanz, Fairen Handel und Friedensförderung".
 
Mit dem Thema „Reformatorische Wirtschaftsethik und ihr Einfluss auf den Wirtschaftsstandort Südwestdeutschland – Von Martin Luther über Calvin zu Phillip Matthäus Hahn“, startet Blickle am Donnerstag, 04. Mai in die Reihe. Der Vortrag führt in die Gesamtthematik ein und schlägt den Bogen von den Leitfiguren der Reformation zu den lokalhistorischen wirtschaftlichen Entwicklungen in Baden-Württemberg und der daraus resultierenden Wirtschaftsethik. Am Donnerstag, den 11. Mai, referiert Rabbiner Jehoshua Ahrens, jüdischer Mitarbeiter der Stiftung Stuttgarter Lehrhaus, zum Thema „Jüdische Bildung, lutherische Ausgrenzung und deren Wirkungen auf die historische Wirtschaftsentwicklung in Deutschland – Von Martin Luther über Moses Mendelssohn zu den jüdischen Industriepionieren in der Textilindustrie Südwestdeutschlands“. Am 18. Mai beleuchtet Arhan Kardas, Jurist und muslimischer Dozent am Institut für jüdische Studien und Religionswissenschaft – Universität Potsdam, mit dem Thema „Wirtschafts- und Bildungsethik im Islam“ die Themen aus islamischer Sicht. Im Anschluss besteht jeweils die Gelegenheit zur Diskussion. Der Eintritt zu den Veranstaltungen ist frei, Besucher sind herzlich willkommen.
 
 
Stuttgarter Lehrhaus, Stiftung für interreligiösen Dialog
Die Stiftung Stuttgarter Lehrhaus für interreligiösen Dialog wurde 2010 vom Ehepaar Lisbeth und Karl-Hermann Blickle gemeinsam mit dem Ehrenvorsitzenden der israelitischen Religionsgemeinschaft Württemberg, Meinhard Tenne sel. A., gegründet. Ziel war auf Grundlage von Toleranz, Verstehen, Verständnis und Gleichberechtigung den Dialog zwischen Anhängern der drei monotheistischen Religionen, Juden, Christen und Muslimen, zu führen und zu fördern. Durch den Dialog auf Augenhöhe sollen Gemeinsamkeiten erkannt, Unterschiede respektiert und ein Beitrag zu einem friedvollen Zusammenleben geleistet werden. Zu diesem Zweck hält die Stiftung Veranstaltungen im Stuttgarter Lehrhaus und an anderen Lernorten in Baden-Württemberg ab und engagiert sich in interreligiösen Förderprojekten in Deutschland und Israel.